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Beerdigung

Die Feierlichkeiten nach dem Ableben eines sächsischen Nachbarn war in Kleinscheuern, wie auch in den meisten anderen Dorfgemeinschaften in Siebenbürgen, traditionell festgelegt. Ein Zeremoniell von ernster Würde bestimmte den Ablauf der einzelnen Handlungen im Rahmen des Gesamtgeschehens. Sämtliche Bereiche, wie Zurüstung des Toten, Totenwache, Klage, geordneter Gang zum Begräbnis und Leichenschmaus waren eingebunden in einen allgemeinen-kirchlichen Brauch. Der Tote wurde in der guten Stube aufgebahrt. Sterbegewänder waren meistens dessen Sonntagskleider.
Zur Totenwache am Vorabend des Begräbnisses kamen verwandte Frauen und Nachbarinnen. Sofern es keine stumme Trauer war, wurde am offenen Sarg laut geklagt. Die Klagende führte Einzelheiten, insbesondere Schicksalsschläge aus dem Leben der/des Toten und der Familie an, sie umschrieb den erlittenen Verlust zuweilen in beeindruckenden Bildern und beklagte das "Weggehen" in die kalte, dunkle "Stube ohne Fenster", sagte Dank, bat um Vergebung, gab Grüße an früher Verstorbene mit und wünschte eine selige Ruhe. Meist wurde den Frauen Wein und frisch gebackenes Brot gereicht. Früher gesellten sich auch Männer ins Trauerhaus, die aber nicht in die Stube kamen, sondern im "Haus" bei Kartenspiel und Wein zusammen saßen.

Die Beerdigung organisierte die Nachbarschaft, die auch zur Teilnahme verpflichtet war. Der Nachbarvater verständigte alle Nachbarn und bestimmte, wer das Grab auszuheben hatte. Die Familie des Verstorbenen musste die Beerdigung beim Pfarrer veranlassen, die Adjuvanten verständigen und einen "Leichenvater" für die organisatorischen Aufgaben, die während der Beerdigung anfielen, bestellen. Um der ganzen Gemeinde den Tod eines Gemeindegliedes mitzuteilen, wurde die Totenglocke eine Stunde lang geläutet.
Der Tote durfte seit dem 18. Jahrhundert nicht früher als 48 Stunden nach seinem Ableben beerdigt werden.
Unmittelbar vor dem Begräbnis verlangte der Nachbarvater den Toten aus dem Haus. Nach Rede und Gegenrede wurde der Sarg von den Nachbarn zugenagelt und in den Hof auf eine Totenbank gebracht. Die Adjuvanten spielten einen Choral und sangen ein Lied. Im Kreis der Leidtragenden sprach der Pfarrer ein Gebet und Trostworte an die Hinterbliebenen. Unter den Klängen eines Trauermarsches und der Kirchenglocken bewegte sich der streng geordnete Zug zum Friedhof. Adjuvanten und Pfarrer schritten vor dem Sarg, auch Abordnungen von Vereinen, sofern sie an der Beerdigung teilnahmen. Den Sarg trugen acht Nachbarn, vier an den Tragbäumen und vier an Schulterriemen. Verstarb ein Knecht, so trugen die Burschen der Bruderschaft den Sarg, verstarb ein Mädchen, taten dies die Mägde. Bei Schulkindern konnten diesen letzten Liebesdienst die Schulkameraden übernehmen, das Särglein von Kleinkindern trugen die Taufpaten unter dem Arm auf den Friedhof. Während der Sarg ins Grab gesenkt wurde, spielten die Adjuvanten "Näher mein Gott zu dir", manchmal auch "Ich hat einen Kameraden"- und von dem Lied jeweils so viele Strophen, bis das Grab zugeschüttet war.
Ein ausgewählter Wortführer der Trauerfamilie oder ein Familienmitglied nahm Abschied vom Verstorbenen, dankte für das Erscheinen der Trauergäste und der Nachbarschaft. Anschließend begab sich die Trauergemeinde in die Kirche zum Trauergottesdienst.
Nach Beendigung des Trauergottesdienstes, während dessen die Adjuvanten dem Pfarrer musikalisch Unterstützung boten, stellten sich die Trauergäste vor der Kirche in zwei Gruppen auf, auf der einen Seite die Nachbarschaft und auf der anderen Seite die Anverwandten. Hier dankte der "Leichenvater" nochmals der Nachbarschaft für die Unterstützung an der Gestaltung der Beerdigung. Anschließend gab es für die Beteiligten im Trauerhaus ein schlichtes Totenmahl,. Diese gemeinsame Mahlzeit war vor allem als Wegzehrung für auswärtige Trauergäste gedacht.
Die Trauer hielt auch über die Beerdigung hinaus an, äußerlich erkennbar an der dunklen Kleidung und dem Fernbleiben von jeglichen fröhlichen Veranstaltungen, besonders vom Tanz. Sie dauerte bei Nächststehenden ein halbes Jahr und bei ferneren Verwandten vier bis sechs Wochen.
Durch das naturverbundene Leben, das man auf dem Land führte, nahm man den Tod, besonders nach einem erfüllten Dasein, für selbstverständlich und gottgegeben. Dass nur Verwandte und Freunde um den Sterbenden waren und kein Fremder, dessen Dienstleistungen angefordert und bezahlt werden mussten, war für die Menschen im Dorf ein tröstlicher Gedanke und nahm dem unerbittlich letzten Weg einen Teil seiner Härte. Für das siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaftsleben kann es kein besseres Beispiel von Gegenliebe geben als dies Zeichen der "letzten Ehre", die man einem Mitbürger erwies. Die Ehrenbekundung gestaltete sich für jeden gleich und stellte ihn in eine lange Reihe von Einzelschicksalen, deren Summe die unverwechselbare Gemeinschaftsexistenz der Siebenbürger Sachsen prägte.



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