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Hochzeit

Bis zum Zweiten Weltkrieg spielte die Vermögenslage auch bei der Partnerwahl eine entscheidende Rolle. Nach sorgfältiger Abwägung der jeweiligen Besitzverhältnisse kamen die Väter überein, die Eheschließung der Kinder herbeizuführen. Insbesondere bei den wohlhabenden Bauern wurde nach der Zuneigung der Heiratswilligen nicht gefragt, wenn man auch nicht unterstellen sollte, dass diese in allen Fällen fehlte. Die ärmeren Dorfbewohner waren bei der Partnerwahl freier, weil es kein Vermögen gab, das zu Rücksichten zwang. Auch in Kleinscheuern heirateten Jugendliche wohlhabender Familien in der Regel untereinander. Es kam sogar zu Verwandtenheiraten. Das war aber eher selten der Fall, denn im Ort war die Mittelschicht stark vertreten, und die Partnerwahl war dementsprechend auch weit gefächert.
Früher waren Neigungsheiraten in Kleinscheuern zwar nicht ausgeschlossen, doch das Werben und Freien war meistens Sache der betreffenden Familien. Der Vater, das Oberhaupt der Familie, bestimmte nach wohlüberlegter Prüfung, dass die Heirat nicht unter dem gesellschaftlichen Stand der Familie geschah. Die Brautleute waren in der Regel noch sehr jung, besonders das Mädchen, oftmals lag die Konfirmation nicht weit zurück. Den ersten Schritt zur Heirat musste der junge Mann tun. (Nach geltendem Gesetz war eine Eheschließung ab dem 16. Lebensjahr zulässig)
Die Anfrage des Burschen, der sein "Begehren" den Eltern des Mädchens in den im Ort festgelegten Wortlaut vorbrachte, war der erste Punkt. Erst nach erfolgter Zusage durch die Eltern der Auserwählten, konnte nun sein Vater bei den zukünftigen "Gegeneltern" um das "Versprechen" (Zusage) bitten und sich erkundigen, ob denn nun alles richtig sei. Wenige Tage nach dem "offiziellen Werben", nachdem das befreiende "Ja" erfolgt war und die beiden Brautleute sowie die Eltern des Mädchens ihren Entschluss mit Handschlag bekräftigt hatten, wurde Verlobung gefeiert.
Das Verlobungsfest galt als ganz besonderer Einschnitt im Leben der Jugendlichen, denn es wurde vom Brautpaar als Symbol des Abschiedes aus dem Kreise der Jugend angesehen. Am Verlobungstag - der meist ein Samstag war - ging das Brautpaar in eigens dafür bestimmter Tracht gekleidet, durch das Dorf, um persönlich die Gäste zu diesem Fest einzuladen.
Für die Feier im Hause der Braut wurden zwei Zeugen bestellt, meist waren es dieselben, die bei der Hochzeit die Rolle der Trauzeugen übernahmen. Gemeinsam mit dem Brautpaar gingen diese zum Gebet ins Pfarramt, wobei das Aufgebot bestellt und die jungen Leute ins Kirchenbuch eingetragen wurden. Nach der Rückkehr aus der Kirche fanden sich im Elternhaus der Braut die ersten Gäste ein, um mit Glückwünschen aufzuwarten.
Für die Braut war dieser Abend in besonderer Weise aufregend, nach altem Brauch wurde im Wechsel zwischen Jugendfreundinnen, Vertreterinnen der Schwesternschaft und der Braut das Verlobungslied in sächsischer Mundart gesungen. Hierbei wurde insbesondere der Braut für ihren Solopart viel Mut abverlangt, zumal sie niemals vorher vor versammelter Menschenmenge allein gesungen hatte. Kaum war die letzte Strophe verklungen, wurde der Braut ein Blumenkranz oder -strauß mit einem so genannten Brautbrief überreicht, der Glückwünsche, ausgewählte Gedichte und Sinnsprüche sowie die Unterschriften von den erschienenen Jugendfreundinnen enthielt. Verfasst wurde der Brief von der "besten Freundin" der Braut, die auch die Auswahl der Gedichte und Sprüche besorgt hatte.
Im Hof versammelten sich gemeinsame Jugendfreunde (Vertreter der Bruderschaft) des Brautpaares und gaben nun selber ein Abschiedsständchen zum Besten. Sie wurden ebenfalls mit Wein, Likör, Schnaps und Gebäck bewirtet. Der Bräutigam bedankte sich in "gewählten Worten" bei seinen Freunden für das Ständchen und für die Glückwünsche. Ganz spät am Abend verabschiedeten sich die Jugendlichen von der Verlobungsgesellschaft. Erst jetzt fand das Brautpaar die Zeit, sich etwas ausgiebiger um die geladenen Gäste zu kümmern, die bis dahin allerdings bestens versorgt worden waren, mit feinem Gebäck, vor allem aber mit der typisch siebenbürgischen Hanklich. Nach einem ausgiebigen Festschmaus feierten die Verlobungsgäste fröhlich bis in die frühen Morgenstunden. Es wurden bekannte Volksweisen gesungen, es wurde getanzt und gelacht. Schließlich sollte sich die Verwandtschaft beider Seiten festigen und diese einander näher kommen.
Der Brautstand dauerte mehrere Wochen. In dieser Zeit erledigte das Brautpaar alle notwendigen Amtsgänge für die standesamtliche und kirchliche Trauung, die vom Bürgermeister bzw. vom Dorfpfarrer persönlich vorgenommen wurde.
Eine Woche vor dem Hochzeitsfest luden die Väter des Brautpaares und das Brautpaar selbst, nach einer sorgfältig erstellten Gästeliste, zur Hochzeit ein. Das Brautpaar übernahm die Einladung der jugendlichen Gäste sowie die der "Brautmägde" und "Brautknechte", welche unentbehrliche Hilfskräfte bei der Vorbereitung und bei der Hochzeitsfeier waren. Ein paar Tage vor der Trauung wurden von allen Seiten Naturalien ins Hochzeitshaus (ins Haus des Bräutigams) gebracht. Die Brautmägde sammelten im Dorf u. a. Körbe voller Eier, die zum Backen der Hanklich unverzichtbar waren. Die Hochzeitsmütter erbaten sich Hilfe für die Vorbereitungen bei den Verwandten und Bekannten.
Es war eine Hilfeleistung, die auf Gegenseitigkeit beruhte, denn jede Familie kam irgendwann mal in die Situation, für die eigenen Kinder eine Hochzeit vorbereiten zu müssen. Nur Dank eines vorbildlichen Gemeinschaftslebens konnte so ein riesiges Fest veranstaltet werden, zudem nicht selten 350 bis 400 Gäste geladen waren.
Für die Hochzeitsfeier musste der Gemeindesaal gemietet werden, der als Speisesaal diente und gleichzeitig als Tanzlokal (die Tische wurden dabei von den Brautknechten beiseite geräumt, um erst bei der nächsten Mahlzeit wieder aufgestellt zu werden). Bevor der Gemeindesaal in Kleinscheuern gebaut wurde und in der ersten Nachkriegsjahren, fanden die Hochzeiten in kleinerem Rahmen statt, denn man hatte ja nur das eigene Haus zur Verfügung. Dementsprechend wurden auch kleinere Musikantengruppen bestellt. Später, als im Gemeindesaal gefeiert werden konnte, wurde die Blaskapelle oder entsprechend größere Tanzkapellen verpflichtet (Fünf- bis Sechs-Mann-Kapellen etwa seit den 1950er Jahren).
In neuerer Zeit war der Mittwoch Beginn der großen Vorbereitungen für das Hochzeitsfest. Für die Brautmägde bedeutete dies den Anfang eines "Großeinsatzes". An diesem Tag wurde im Hochzeitshaus (im Haus des Bräutigams) zunächst das Brot nach altem Rezept gebacken. Außerdem wurden abwechselnd Nussstrudel und Hanklich gebacken.
Am Samstag in der Früh erschienen dann die am Vortag nochmals extra eingeladenen Frauen zur Endphase der Vorbereitungen. An allen Ecken im Haus und auf dem Hof wurde emsig gearbeitet. Mehrere Frauen zerlegten die geschlachteten Hühner, um sie für die Suppe und den Hühnerbraten vorzubereiten, etliche waren weiterhin mit dem Backen beschäftigt, andere schnetzelten Sauerkraut für das zweite große Hochzeitsmahl (Krautwickel), das vor Mitternacht gereicht wurde. Außerdem wurde Brot in kleine Würfel geschnitten für die so genannte "Wengenbrook" (Weinsuppe), die als erstes serviert wurde, sobald Brautpaar und Gäste im Gemeindesaal versammelt waren.
Die "Brautknechte" hatten die Aufgabe, alles Nötige aus dem Hochzeitshaus in den Gemeindesaal zu befördern. Tische und Bänke wurden von den Nachbarschaften ausgeliehen, um die Hochzeitstafel vorzubereiten. Die "Brautmägde" brachten in Körben die Tischdecken, das Geschirr und das Besteck vom Pfarrhof, wo diese zwischen den Hochzeiten aufbewahrt wurden. Sie deckten die Tische, sorgten für die Dekoration und reinigten die Saalküche, bevor alle Lebensmittel gebracht wurden.
Die Braut hatte an diesem Tag noch eine besondere Aufgabe zu erfüllen. Etwa um die Mittagszeit besuchte sie, in Tracht gekleidet, den Bürgermeister und den Pfarrer, um ihnen eine Kostprobe von der frischgebackenen Hanklich.
Der eigentlich wichtigste und schönste Tag war natürlich der Hochzeitstag, der Tag der Abholung der Braut aus dem Vaterhaus. In der Früh, etwa kurz nach 9 Uhr, kam der Bräutigam zum Hause der Braut, um sie abzuholen. Gleichzeitig trafen auch die ersten Gäste und die Musikkapelle ein, die dem Brautpaar zur Begrüßung ein Ständchen spielte. Dann ging es, aufgestellt zu einem Festzug, allen voran das Brautpaar, zum Gemeindesaal. Jetzt verteilten die Brautmägde an alle männlichen jugendlichen Hochzeitsgäste kleine Sträußchen aus Kunstblumen, die sich diese als Zeichen dafür, dass sie Hochzeitsgäste waren, am Rockrevers oder am Hut anstecken ließen. Der "Hochzeitsvater", ein von den Hochzeitsgebern bestellter Festredner, begrüßte die Hochzeitsgäste und hielt eine ermunternde Ansprache an das Brautpaar. Gegen 11 Uhr vormittags wurde die traditionelle Weinsuppe aufgetragen, danach gab es ein deftiges Gulasch mit Kartoffeln und Salatbeilagen. Nach diesem Mahl wurden das Brautpaar, die Eltern sowie die nächsten Verwandten (Geschwister und Großeltern) beider Parteien vom "Hochzeitsvater" aufgefordert, sich gegenseitig mit einem kräftigen Händedruck zum neuen Verwandtschaftsverhältnis zu bekennen. Somit wurde ein neues großes Familienband geknüpft.
Nun wurde alles für den Kirchgang vorbereitet. Auch die Aufstellung der Hochzeitsgäste für den Kirchgang wurde nicht dem Zufall überlassen. Vorneweg gingen die Jugendlichen, gefolgt vom Bräutigam mit den zwei männlichen Trauzeugen, dann kamen die Väter, der Hochzeitsvater, die Großväter und schließlich alle anderen männlichen Gäste nach Alter und Verwandtschaftsgrad. Danach erst folgte die Braut mit den zwei weiblichen Trauzeugen, Mütter, Großmütter und den übrigen Frauen, ebenfalls nach Alter und Verwandtschaftsgrad. In der Kirche warteten bereits Pfarrer, Kirchenchor und Organist. Beim Klang der Orgelmusik hielt die Hochzeitsgesellschaft Einzug ins Gotteshaus.
Mit dem Worte Gottes und unzähligen guten Ratschlägen, die er dem Brautpaar auf den gemeinsamen Lebensweg mitzugeben pflegte, forderte der Pfarrer die jungen Eheleute auf, sich vor versammelter Hochzeitsgesellschaft das "Ja-Wort" zu geben und den Schwur der ewigen Liebe und Treue zu leisten. Die Ringe wurden getauscht, und der Pfarrer segnete den neuen Bund.

Die Musikkapelle, die vor dem Eingang gewartet hatte, schritt nun vor dem Hochzeitzug her und spielte Marschmusik bis zum Haus der Hochzeitsgeber. Die nicht geladenen Gemeindeglieder säumten den Straßenrand bis zum Hochzeitshaus, um den vorbeiziehenden Festzug zu bewundern. Im Hof des Hochzeitshauses hatten Verwandte zwischenzeitlich bereits einen großen mit schönbestickter Tischdecke abgedeckten Gabentisch aufgebaut, an dem das junge Paar nun die Geschenke der Hochzeitsgäste entgegennahm.
Der "Hochzeitsvater" leitete diesen Vorgang mit einer Ansprache ein, beglückwünschte das Paar zu ihrem Hochzeitstag und gab ihnen gute Ratschläge auf den gemeinsamen Lebensweg. Anschließend bat er die Hochzeitsgäste, dem Paar mit einem kleinen Geschenk den Start zur Gründung eines neuen Haushaltes zu erleichtern.. War dieser Vorgang beendet, zogen sich die Gäste nach und nach zurück, um die schwere Kirchentracht abzulegen und sich entsprechend für den unterhaltsameren Teil des Festes vorzubereiten. Fast unbemerkt vollzog sich dieser Vorgang, denn in dieser Zeitspanne wurden die vielen "Zaungäste", die das "Gaben" neugierig beobachteten, von den Brautmägden bewirtet und mit Hanklich bedacht.

Im Anschluss daran ging es - die Musikkapelle und das Brautpaar an der Spitze des Festzuges - wieder in den Gemeindesaal. Tüchtige Helfer hatten zwischendurch dafür gesorgt, dass die Tischreihen abgebaut und der Saal zu einer riesigen Tanzfläche umfunktioniert wurde. Alle Anwesenden, selbst die Nichtgeladenen, die als Zuschauer gekommen waren, wurden nun aufgefordert, zu tanzen und mitzufeiern. Nachmittags, etwa um 17 Uhr, verließen die "Nichthochzeitlichen" das Fest, und nun war die Hochzeitsgesellschaft unter sich. Die Tische wurden wieder aufgebaut, fleißige Hände halfen beim Decken. Es wurde die Hauptmahlzeit, die traditionelle Hochzeitssuppe und ein Hühnerbraten mit Tomatensauce, serviert. Zu dieser Mahlzeit war der Pfarrer eingeladen, der das Tischgebet sprach und einen Platz neben dem Brautpaar zugewiesen bekam. Zum Tanzen wurden danach die Tische wieder zur Seite geräumt, und weiter ging es mit fröhlicher Unterhaltung bis gegen Mitternacht.
Kurz vor Mitternacht servierte man Krautwickel (gefülltes Sauerkraut) mit Rahm und selbstgebackenem Brot. Während dieser Mahlzeit verschwand plötzlich die Braut, sie wurde "entführt" und versteckt. Die Brautknechte suchten verzweifelt nach der Entführten, um sich einen Ehrentanz mit ihr zu sichern. Derjenige, der die Braut gefunden hatte, durfte den Brauttanz eröffnen. Nachdem der glückliche Finder mit der Braut getanzt hatte, wurde sie an einen anderen weitergereicht. Die Abfolge der Tänzer war genau geregelt; sie erfolgte nach Alter und Verwandtschaftsgrad.
Bei dieser Gelegenheit wurde von jedem Tänzer eine kleine Spende erbeten, die als Grundstock für die Beschaffung von Babykleidung und Windeln gedacht war. Zuletzt durfte die Braut wieder mit dem Bräutigam tanzen, und die Jugend hüpfte um das Paar herum, immer engere Kreise um sie ziehend, so dass sie sich kaum noch bewegen konnten. Dieser Kreis sollte die enge Zusammengehörigkeit versinnbildlichen. Ein Lied, in siebenbürgischer Mundart gesungen, deutete der jungen Ehefrau an, dass der Jugendschmuck, der Borten, abzulegen sei, weil sie fortan zu den verheirateten Frauen zählte. Der Hochzeitsvater nahm ihr den Borten ab, gab ihn ihrer Mutter und bat sie, ihn als Erinnerung aufzubewahren. Die Feier war noch lange nicht zu Ende; es wurde bis in die frühen Morgenstunden weitergefeiert. In der Früh gab es zum Abschluss noch eine letzte Mahlzeit: Schweinebraten mit Brot und Salat sowie selbstverständlich allerlei Getränke. Das junge Paar wurde nun mit Marschmusik nach Hause begleitet. Jugendliche, die ihre Tanzlust immer noch nicht gestillt hatten, tanzten auf dem Weg im Kreis um sie herum. Im Hochzeitshaus erhielten sie zur Ernüchterung einen starken Kaffee, damit sie den Heimweg nicht verfehlten.
Endlich gönnte man dem Paar für einige Stunden die wohlverdiente Ruhe. Im Saal wurde unterdessen emsig aufgeräumt und geputzt. Das Geschirr musste auf den Pfarrhof zurückgebracht und Übriggebliebenes (Speisen und Getränke) ins Hochzeitshaus gefahren werden. Der zweite Hochzeitstag war der "Jungfrauentag". Zwölf Uhr Mittags ging die junge Frau in Tracht, begleitet von ihren weiblichen Trauzeugen, zur Kirche, um eingesegnet zu werden. Der Pfarrer erwartete sie an der Kirchentür und begleitete sie zum Altar. Er betete für sie, auf dass sie zu gegebener Zeit eine glückliche Mutter werde.
Schließlich kehrten sie zum Hochzeitshaus zurück, wo die versammelte Helferschar schon zu Tische saß. Diese wollte auch jetzt noch ihren Spaß haben, und so versteckte man drei gleichgekleidete junge Frauen unter einem großen Tuch oder Laken und forderte den jungverheirateten Mann auf, mit einem kleinen Kissen auf die Frau zu werfen, die er als die seine vermutete. Die Getroffene durfte sich bei ihm einen Kuss abholen. Oft traf der junge Mann daneben, was allgemeines Gelächter hervorrief. So endete die Hochzeit, und die Bewohner der Gemeinde hatten noch für viele Wochen ausreichend Gesprächstoff.



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