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Taufe

Bis spät ins 20. Jahrhundert wurde in unserer alten Heimat der neue Erdenbürger im Vaterhaus geboren. Die Geburt selbst, bei der der Vater des Kindes nicht in der Stube sein durfte, ließ sich durch allerlei sinnbildliche und geistige Mittel erleichtern. Allgemein üblich war das Lösen alles Geknüpften wie Knoten, Bänder, Zöpfe. Alle Fenster wurden geschlossen und zugehängt. Andere, die Geburt bzw. die Entbindung erleichternde Mittel waren wärmende, krampfstillende Mittel zum Einnehmen oder zum auf den Leib legen - beispielsweise ein warmer Brei aus Roggen und Kornblüte. Über die Geburt wachte eine Hebamme. Befürchtete man Schwierigkeiten bei der Geburt, so wurde die werdende Mutter ins Kreiskrankenhaus nach Hermannstadt gebracht.
Damit die junge Mutter nicht gleich zur schweren Feldarbeit herangezogen wurde, durfte sie das Haus erst verlassen, wenn das Kind getauft war, und das waren in der Regel ca. 4-6 Wochen nach der Geburt. Dieses war eine kluge vorbeugende Schutzmaßnahme, um die Gesundheit der Mutter nicht zu gefährden. Die Frauen der Nachbarschaft, Anverwandte und Bekannte brachten der noch "einsitzenden" Wöchnerin und ihrer Familie in dieser Zeit "Essen", zumeist stärkende Fleischsuppen und kräftigende Mehlspeisen (Kuchen aller Art).
Für das Neugeborene schnitt man Windeln aus alten Leintüchern. Die Wäsche - Hemdchen mit Spitzenkrause, Häubchen und Jäckchen waren selbstgefertigt. Der Säugling wurde in ein steifes Trag- oder Steckkissen gepackt, es verlieh einen besseren Halt beim Umgang mit dem Kind. Die Mütter stillten ihre Kinder manchmal bis zu ihrem zweiten Lebensjahr. Als Schnuller ("Zutsel") diente früher ein in süße Milch getauchtes Brotstückchen.
Altsächsische Sitte kam auch bei der Taufe zum Tragen, die ungefähr vier Wochen nach der Geburt des Kindes stattfand. Es galt als große Ehre, die Patenschaft eines Säuglings zu übernehmen; sie durfte nicht abgelehnt werden.
Am Sonntagmorgen vor dem Gottesdienst brachten die Mütter der bestellten Taufzeugen in einer Suppenterrine den Eltern des Täuflings süßen Wein und wünschten bei der Übergabe Glück und Gottes Segen. Wenn die Glocken zum Gottesdienst läuteten, versammelten sich die Taufpaten im Elternhaus des Täuflings, um diesen und die Mutter für den Kirchgang abzuholen. Die Taufpaten, Mutter und Kind gingen geschlossen zur Kirche, wobei die älteste Patin oder die Hebamme das Kind tragen durfte.
Die Taufe selbst war stets eingebunden in einen Gottesdienst. Im Beisein aller Gottesdienstbesucher wurde das Kind somit von Anbeginn an in die Gemeinschaft eingebettet.
Die Paten versammelten sich um das Taufbecken, und der Pfarrer trat zu ihnen. Er las das Glaubensbekenntnis vor, fragte nach dem Namen des Kindes und der Bereitschaft der Taufpaten, den Eltern bei der Erziehung des Kindes im christlichen Glauben, behilflich zu sein. Durch ein symbolisches Kreuz, das dem Täufling auf die Stirn gestrichen wurde, war der Bund mit Gott geschlossen. Ein Rundgang um den Altar bekräftigte die stattgefundene Taufhandlung.
Auch auf dem Rückweg zum Elternhaus hatten die Taufpaten in der traditionellen Aufstellung zu gehen. Wenn es in der Familie oder von den geladenen Gästen kleinere Kinder gab, suchten die sich einen Hammer oder Stein und sobald die Taufpaten sich dem Haus näherten klopften sie ins Gassentor. Dafür erhielten sie von den Taufpaten Geld; was dieser alte Brauch bedeuten sollte, weiß heute keiner mehr genau.
Zu Hause begrüßte der älteste Taufpate die Familie und übergab der Mutter das Kind, mit etwa folgender Redensart: "Wir haben euer Kind als einen kleinen Heiden hinausgetragen und bringen es euch als Christen zurück. Unser Pfarrer hat es mit Gottes Wort eingesegnet und mit Fürbitte in unsere christlich- evangelische Gemeinschaft aufgenommen. Wir Taufpaten haben unser Jawort dazugegeben, und wir versprechen mitzuhelfen, dass euer Kind in unserem Glauben erzogen wird." Der Vater dankte den Taufpaten für diese Worte und hieß alle herzlich willkommen zu diesem schönen Fest. Beim Abschied überreichten die Taufpaten, aber auch alle anderen Gäste ein Geldgeschenk für das kleine Patenkind.



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