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Weihnachten

Mit dem ersten Schnee begannen die Kinder schon zu fragen, wie oft man noch schlafen müsse, bis das Christkind kommt. Bevor es aber dazu kam, galt noch, die strenge Prüfung des Nikolaus zu bestehen. Am Abend des 5. Dezember stellten die Kinder ihre blank geputzten Schuhe aufs Fensterbrett oder neben die Tür und erwarteten mit bangem Herzen sein Urteil. Waren sie "brav" gewesen, fanden sie am Morgen Äpfel und Nüsse, sogar einige Süßigkeiten darin; unfolgsamen Kindern hatte er eine Rute dazugelegt, die ganz schlimmen kriegten nur einen Stock.
Vor der Machtergreifung durch die Kommunisten begann die Vorbereitung auf das Fest in der Schule. Um 15 Uhr versammelten sich alle Schulkinder in ihren jeweiligen Klassen. Hier wurden die Gedichte und Weihnachtslieder noch einmal geübt, bevor sie in den Festsaal mit dem herrlich geschmückten großen Weihnachtsbaum traten. Der Weihnachtsbaum hatte nach dem Ersten Weltkrieg auch auf dem Lande Einzug in Kirchen und Bauernstuben gehalten. Die kleineren Kinder des Dorfes kamen mit ihren Eltern und füllten mit den Angehörigen der Schulkinder bald den ganzen Saal. Die ausgewählten Schulkinder sagten während der Feier ihre Gedichte auf. Schüler der siebenten Klasse trugen die Weihnachtsgeschichte vor. Gemeinsam wurden die schönen Weihnachtslieder "Oh, du fröhliche", "Ihr Kinderlein kommet" und natürlich "Stille Nacht" gesungen.
Alle im Saal waren erfüllt von der feierlichen Stimmung. Spannende Erwartung herrschte bei den Schulkindern, die ungeduldig auf die Bescherung am Ende des Abendgottesdienstes warteten. Geschenke waren in der Regel Kuchenherzen, Äpfel, Nüsse und Schulbedarf, wie Hefte, Stifte, Radiergummi, Lineal u. a.
Nach etwa zwei Stunden machte man sich auf den Nachhauseweg. Inzwischen war es dunkel geworden. In den Händen hielten die Kinder brennende Kerzen oder sogar funkensprühende Wunderkerzen. Der Schnee knirschte unter den Füßen.
In der Nachkriegszeit, nachdem die Schulen verstaatlicht wurden, fanden die meisten dieser vorweihnachtlichen Aktivitäten in der Kirche statt. Der Heilige Abend wurde mit kräftigem Glockenklang eingeläutet. Ganz viele Bewohner zog es zuerst auf den Friedhof hin, wo sie der Verstorbenen gedenken wollten. Selbst die Adjuvanten spielten an den Gräbern Weihnachtslieder, um so manchen Kameraden zu ehren und seiner zu gedenken. Es wurden viele Kerzen angezündet und auf den Gräbern befestigt. Der Friedhof glich einem Lichtermeer, und viele Tränen wurden heimlich fortgewischt. In tiefer Andacht gingen alle gemeinsam zum Abendgottesdienst. Hier warteten die Kinder schon ungeduldig am Kirchturmeingang, um vor versammelter Gemeinde ihre Lieder und Gedichte vorzutragen. Am Ende des Gottesdienstes wurden alle Kinder beschenkt, jedes bekam ein Päckchen mit Gebäck, Süßigkeiten, Äpfel und Nüsse; die Schulkinder erhielten auch einen Bleistift und ein Schreibheft. Auf dem Heimweg wünschten sich die Menschen noch frohe Weihnachtsfeiertage und eilten dann nach Hause, denn dort gab es für die Kinder noch eine Überraschung, den Christbaum und den Weihnachtsmann.
Die ganze Familie setzte sich um den Christbaum, jedes einzelne Kind sagte ein Weihnachtsgedicht und gemeinsam wurden Weihnachtslieder gesungen. Die Kinder schauten wie gebannt auf die Tür, hinter der bald das Glöckchen des Weihnachtsmannes erklingen musste. Die Türe wurde immer einen Spalt geöffnet, dann fragte der Weihnachtsmann mit tiefer Stimme jedes Kind einzeln: "Bist du auch immer lieb und brav gewesen ?, Wie steht es mit der Schule ?", oder "Kannst du ein Gebet aufsagen?" Waren alle Antworten zu seiner Zufriedenheit ausgefallen, warf er Äpfel und Nüsse durch die Türöffnung in den Raum. Manchmal gab es auch größere Geschenke, wie Lebkuchen mit bunten Bildern, Sachen für die Schule oder etwas zum Anziehen, kleine Stecken- oder Schaukelpferdchen oder eine selbstgefertigte Stoffpuppe. Die Familie feierte besinnlich mit den Kleinen bis in die späten Abendstunden. Die Jugendlichen trafen sich in Kränzchen zur Christnachtsfeier, die meist bis nach Mitternacht dauerte.
Am ersten Weihnachtstag in der Früh um 6 Uhr erklangen von neuem die Glocken und riefen zur Frühkirche. Aus allen Ecken kommend, schritten die Menschen, in Kirchentracht gekleidet und brennende Kerzen in der Hand haltend, über die verschneiten Dorfstraßen auf den Mittelpunkt der Gemeinde zum Gotteshaus zu, ein unbeschreiblich schönes Bild. Die Frühkirche wurde besonders feierlich gestaltet; die Adjuvanten spielten auf dem Kirchturm bekannte Weihnachtslieder. Die Kirche war festlich geschmückt. Von der Decke hing ein großer, aus Wintergrün-Kränzen zusammengesetzter Leuchter (Weihnachtsleuchter, auch Weihnachtsstern oder Lichtert genannt). Aufmerksam folgte man dem Krippenspiel, das die Lukas-Geschichte von Maria und Josef und die Geburt des Jesuskindes näher zu bringen versuchte. So mancher wird die Weihnachtsbotschaft, "Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen", auf diese Weise besser verstanden haben. Am selben Tag fand um 10 Uhr der Festgottesdienst statt.
Der erste Weihnachtstag wurde überwiegend in aller Stille gefeiert, den Nachmittag verbrachte man mit Verwandtenbesuchen. Am Abend traf sich dann Jung und Alt im großen Gemeindesaal, um sich das mit viel Geduld und Ausdauer einstudierte Theaterstück (in der Regel ein Mundartstück) anzuschauen und sich an den von der Tanzgruppe vorgeführten Tänzen zu erfreuen. Auf der anschließenden Tanzveranstaltung bot sich die Gelegenheit zu fröhlichem geselligen Beisammensein.
Der zweite Weihnachtsfeiertag, gleichzeitig auch Stefanstag genannt, war der Namenstagsfeier der Männer dieses Namens vorbehalten. Mitgliedern der Blaskapelle mit diesem Namen wurden Ständchen dargebracht.



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