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14. Kleinscheuerner Treffen 2010

Am 9. Oktober 2010 fand in Giengen/Brenz das 14. Kleinscheuerner Heimattreffen statt. Ein beachtlicher Teil der 550 Mitglieder zählenden Heimatortsgemeinschaft – von nah und fern, sogar Mitglieder aus den USA – war nach Giengen  gekommen und noch viele andere, die möglicherweise demnächst dieser Gemeinschaft beitreten wollen.

Ein Beitritt vor allem von jüngeren Kleinscheuernern wird erwartet, da etwas mehr als ein Drittel der Vereinsmitglieder das 75. Lebensjahr überschritten hat. In seiner Ansprache erwähnte Stefan Schuster, Ehrenvorsitzender der HOG, dass der Verein mehr Mitglieder im Alter zwischen 80 und 100 hat als zwischen 20 und 40. Im Vorstand hat bereits eine Verjüngung stattgefunden: Zum Vorsitzenden wurde Martin Benning, bisheriger stellvertretender Vorsitzender, gewählt. Sein Stellvertreter ist Michael Roth, der bislang das Jugendreferat leitete. Die Leitung des Jugendreferates übernahm Irmgard Hell.

Stefan Schuster wurde wegen besonderer Verdienste um unsere Gemeinschaft zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Eingeladen zu dem alle zwei Jahre stattfindenden Treffen hatte der Vorstand der HOG. Es begann mit einem vom ehemaligen Kleinscheuerner Pfarrer Hans-Dietrich Schullerus zelebrierten Gottesdienst mit siebenbürgischer Liturgie. Bei der Gestaltung wirkte der Chor unter der Leitung des ehemaligen Kleinscheuerner Organisten Georg Rill mit, an der Orgel saß Martin Benning jun.
 

Schon beim Betreten des Foyers der Walter-Schmid-Halle richteten sich die Blicke auf die mit Fotos bestückten Stellwände. Es war eine großartige Ausstellung, eine Veranschaulichung von Schulleben mit Klassenfotos von Kleinscheuerner Schuljahrgängen aus rund sechs Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts. Auf mehreren Tischen waren Alben mit alten Aufnahmen ausgelegt, die das Geschehen aus anderen Lebensbereichen Kleinscheuerns dokumentierten – Dorfgeschichte in Bildern. Ständig wechselnde Besuchergruppen kamen, um die Fotos zu betrachten, zu würdigen und sich möglicherweise auf einem davon selbst zu entdecken. Die „Fotogalerie“ wurde von Katharina Lutsch, die auch dem Vorstand der HOG angehört, eingerichtet. Tatkräftig unterstützt wurde Katharina Lutsch bei ihrer monatelangen Such- und Sammlertätigkeit von Frau Regina Seiler, die als die erfahrenere von den beiden beachtlichen Beitrag bei der Identifikation älterer Personen von den Fotos leistete. So ist in gemeinschaftlicher Arbeit  ein Werk von unschätzbarem Wert entstanden.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen folgte das Kulturprogramm, das von der Kulturreferentin Heidi Städter moderiert wurde. Sie erteilte zunächst dem Ehrenvorsitzenden das Wort. Stefan Schuster bedankte sich für das ihm in den Jahren seit Gründung des Vereins entgegengebrachte Vertrauen, um danach zu engerem Zusammenhalt und zu Geschlossenheit der Gemeinschaft anzuregen, wenn diese auch in Zukunft Bestand haben soll. Nicht von ungefähr habe man dieses Treffen unter das Motto „Gemeinsam unterwegs“ gestellt und möchte dieses auch als Modell für die Zukunft empfehlen. Es gehe vor allem um die Gemeinschaft der Generationen. Er freue sich besonders über die Anwesenheit so vieler Kinder im Saal, die kaum erwarten könnten, sich im Programm zu „produzieren“, handelt es sich hier doch auch um den potentielle Nachwuchs für unsere HOG. Der neue Vorsitzende Martin Benning jun. bekräftigte die Worte des Vorgängers: Er hoffe auf junge, dynamische Mitglieder, damit auch in zwanzig Jahren noch so wunderbare Treffen gefeiert werden könnten. Zugleich betonte Benning, dass er zuversichtlich sei, bei gemeinsamer Anstrengung der Vereinsmitglieder die Herausforderungen der Zukunft meistern zu können.

Nach der Ehrung von rund dreißig Mitgliedern für fünfzehnjährige Treue zum Verein konnte die Moderatorin die in der schmucken Kleinscheuerner Tracht angetretenen Sängerinnen und Sänger auf die Bühne bitten. Unter der Leitung von Georg Rill hatte der Chor ein halbes Jahr lang jeden Montagabend geprobt, um mit einem gediegenen Programm auftreten zu können. Es ist diesem relativ kleinen Chor wahrhaftig gelungen die Herzen der Zuhörer zu erreichen.

Vor allem für das in Mundart vorgetragene Lied „De Astern bloien insem em Gärtchen“ sowie für „Bleibe treu…“, letzteres unter uns Siebenbürgern bekannt als „Deiner Sprache, deiner Sitte“, erhielt der Chor lang anhaltenden Beifall und konnte nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen.
Auch der Nachwuchs sorgte für Staunen. Die Geschwister Ann-Kathrin und Michael Benning (acht und elf Jahre) sangen mit Akkordeonbegleitung ihres Herrn Papa Martin Benning das siebenbürgisch-sächsische Lied „Um Olt, um Olt, um geale Rin“.

Als kleines Vorspiel für eine noch größere Überraschung sang der Chor „Glocken der Heimat“ und danach bekamen wir wahrhaftig den Klang der Glocken unserer Kleinscheuerner Kirche vom Band zu hören. Im Anschluss an seine Darbietungen sang der Chor gemeinsam mit dem Publikum „Af deser Iard do es e Lund…“ („Mer welle bleiwen wat mer sein…“).?
Unter der Leitung von Helga Schuster und Gwendoline Onghert-Renten, zweier engagierter Frauen, denen der Zusammenhalt in unserer Gemeinschaft ein Herzensanliegen ist, betrat die Siebenbürgische Kinder- und Jugendtanzgruppe die Bühne und die Zuschauer wurden Zeugen eines außerordentlichen Rituals: der Aufnahme von neuen Mitgliedern in die Tanzgruppe! 

Das Besondere an diesem Geschehen: Die Anwärter haben das für die Aufnahme erforderliche Alter von sechs Jahren erreicht und wollen auch gerne tanzen lernen. Aus dem Kreis der etablierten Tänzer traten Jungen und Mädchen hervor, gingen auf die Anwärter zu, reichten ihnen die Hände und hießen sie in ihrer Mitte willkommen. Wenn schon bei Sechsjährigen die Begeisterung fürs traditionelle Tanzen geweckt werden kann, braucht uns vor der Zukunft nicht bange zu sein.

Dann las Helga Schuster die Humoreske „De Gehimsproch“ von Walter Seidner, der früher, als er Pfarrer in Reußdörfchen war, auch in Kleinscheuern Gottesdienste hielt. Ältere Kleinscheuerner erinnern sich gerne an ihn. Zum Abschluss fand der Aufmarsch der Trachtenträger statt, an dem sich rund 100 Personen der unterschiedlichsten Altersgruppen beteiligten. Die „Polonäse“ bot ein herrliches Bild und verlief trotz der Vielzahl der Figuren pannenlos.

Musikalisch begleitet wurde der Aufmarsch von der „Star“-Band, die danach zum Tanz aufspielte. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, auf den die tanzlustigen Kleinscheuerner gewartet hatten. Innerhalb kurzer Zeit war die Tanzfläche dicht besetzt. Bei guter Stimmung und flotter Musik tanzten Vertreter aller Generationen in harmonischem Miteinander bis weit in die Nacht hinein. So war das auch auf Bällen, die vor Jahrzehnten in Kleinscheuern gefeiert wurden. Auch dies also ein Zeichen von Tradition und Brauchtum.



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