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Kleinscheuerner Trachtenschau 2008

Unser 13. Kleinscheuerner Treffen war der ideale Anlass, Trachten vorzuführen und zu präsentieren, die zu ganz bestimmten Brauchtumsanlässen in der Heimat getragen wurden und so, hier in Deutschland selten zu sehen sind.
(Auszug aus der Moderation von Kathi Lutsch)

 

„Wir beginnen mit dem Neugeborenen, das schon bei der Taufe festlich gekleidet wurde. Zur Kirche wurde es von der Mutter getragen, vorgeführt von Katharina Roth, in schlichter Tracht mit weißem Kopftuch vorne gebunden. Das Kind wurde mit einem Seidentuch je nach Geschlecht, rot für Mädchen und blau für Jungen, verhüllt. Die Taufpatinnen und Taufpaten wurden vom Vater am Vorabend bestellt und erschienen zur Taufe in schönster Tracht wie von Ute Rill vorgeführt. Auffallend trugen sie zu diesem Anlass zwei Seidentücher. Jugendliche trugen den Borten, Verheiratete das Bockeltuch. Der Pate, hier von Hans Georg Rill vorgeführt, trug einen edlen Kirchenmantel und als Kopfbedeckung den Hut, der bei jugendlichen Paten von der Patin mit einem  bunten Blumensträußchen verziert wurde.

Die Kinder hatten schon von klein an eine eigene Tracht. Sie sehen hier Lena Filp, Ann-Katrin Böhm, Ricardo Rill, Leonie Modjesch, Tobias Seiler und Jenny Rill. Die typische Kopfbedeckung eines Mädchens waren die Häubchen, in rot oder schwarz, bestickt für den Festtag oder einfach für den Alltag. Im Sommer trug ein Mädchen zur Festtracht ein besticktes Band auf dem Kopf, im Alltag ein Kopfband mit Spitzen, -ein Bindelchen- oder ein gesticktes Kopfband, eine kurzärmlige Bluse -ein Puffhemd-, einen bunten Rock mit Schürze, wie unsere Natalie Modjesch. Die Jungs hatten ein genähtes Hemd an Festtagen mit einem Halstuch, und im Alltag, so wie Michael Benning es vorführt, bequem je nach Wetter.

Den Status vom Kind zum Erwachsenen erreicht man durch die Konfirmation, die in Kleinscheuern meistens am Palmsonntag stattfand. Die Konfirmanden wurden ein ganzes Jahr lang vorbereitet. An diesem Tag waren die Konfirmanden sehr einfach, schlicht, gekleidet, wie  Angelina Benning und Dennis Hutter. Mädchen und  Jungen trugen einen Pelzmantel.

Endlich ist es soweit. Nach bestandener Konfirmation durfte man an den Festen der Erwachsenen teilnehmen. Sie sehen hier Sarah Schuster in der Kirchenfesttracht, Stefanie Rill und Franziska Rill. Die Mädchen durften den Borten als Kopfbedeckung tragen.
In der Kirche trugen sie noch einen weißen bestickten Umhang, auf dem der Name und das Konfirmationsjahr drauf eingestickt war.  Die Jungen trugen in der Kirche einen Pelzmantel und je nach Jahreszeit einen Hut oder eine Pelzmütze. Andreas Izstl zeigt wie man als Jugendlicher zum Tanz ging.


Die Krönung der Jugend war die Hochzeit. Die Tracht der Braut führt Dagmar Schuster vor und die des Bräutigams Bernd Melzer. Beide tragen an diesem Tage ihre schönsten Kleider. Was besonders bei der Braut auffällt, sind die zwei Seidentücher. Eines davon hat sie von ihrem Bräutigam als Geschenk erhalten, und er trägt ein neues Halstuch, ein Geschenk von der Braut. In ihrer schönsten Tracht verbringt die Braut den ganzen Hochzeitstag bis Mitternacht. Nach dem Brauttanz wurde dann der Borten abgelegt und als Erinnerung an die Mutter abgegeben.

Die Tracht der Brauteltern wird vorgeführt von Susanna Bock, Michael Braisch Maria Lutsch, und Martin Rill. Das braune Kopftuch kam zum Einsatz und die gestickten Bänder wurden nicht mehr getragen. Die Tracht wurde etwas einfacher und dunkler. Um eine Hochzeit in Kleinscheuern feiern zu können, bedurfte es einer umfangreichen Vorbereitung.

Ganz wichtig war im Dorf der Zusammenhalt. Zwei Tage vor der Hochzeit gingen die Brautmädchen, vorgeführt von Maxi Quinsz und Sarah Dengel zu den Familien die nicht eingeladen waren und sammelten Eier und Milch für den Hochzeitskuchen, die Hanklich. Sie sagten folgenden Spruch: Mir sen gescheackt worden vun easen Hochzetgiavern, kennt ir es uch met äst behealfen?“
Die Frauen, die eingeladen waren, erhielten noch eine extra Einladung zum Backenhelfen von zwei Backenruferinnen, hier Susanne Modjesch und Gudrun Rill. Dieses war eine sehr begehrte Aufgabe von zwei jungen Frauen, die mit dem duftigen weißen Tuch, -det Knäppdeach-, recht keck durch das Dorf schlenderten. Ihren Einladungen folgten dann am Samstag vor der Hochzeit alle Frauen, wie Katharina Rill zeigt, um die Vorbereitungen für den Hochzeitstag zu treffen. Am ersten Tag nach der Hochzeit ging die junge Frau  zusammen mit den Trauzeuginnen zur Einsegnung in die Kirche. Zu diesem Anlass trug sie, vorgeführt von Rose Schuster, eine ganz besondere Kopfbedeckung  -  „det Geschlijer“- die einen Übergang von  der Jugend  zum  Ehestand symbolisieren sollte. Als  festliche Kirchentracht, vorgeführt von Susanne Rill und Sofia Hell ist das „Bockeltuch“, in Kleinscheuern –Healldeach- genannt, das Zeichen einer verheirateten Frau. Schön geschmückt, je nach Alter wurde die Kopfbedeckung mit einem oder zwei Paar Bockelnadeln. Im Winter trug die Frau einen gestickten Brustpelz, vorgeführt von Katharina Filp, und einen Pelzumhang mit Edelfellbesatz.

Männer trugen im Sommer einen Hut und im Winter eine Persianerpelzmütze, wie Johann Melzer und Johann Dengel es zeigen.Bei Tanzveranstaltungen war die Tracht etwas schlichter um mehr Bewegungsfreiheit  zu haben.


Renate Rill, Martin Benning, Helga Dengel-Rill, Georg Schuster und Sofia Rill führen uns die Tanzkleider vor. Jugendliche Mädchen tragen ihre schönen Bänder um den Kopf, und die verheirateten Frauen hatten ihre Zöpfe um den Kopf geschlungen und mit einer Spitzenhaube, das –Pipiheifken-, bedeckt, an der auf dem Rücken eine breite bestickte Schleife befestigt war. Ausgestattet mit einem Krug mit Wein und im Korb ein Vesper zur Mitternachtsstunde, konnte man bis in die späten Morgenstunden das Tanzbein schwingen.

Selbst bei Beerdigungen wurde ein festliches Gewand angelegt. Dieses mal in Schwarz und Weiß. Folgende Personen werden es vorführen, Regina Seiler als ältere Frau, Katharina Bussner, als Gebockelte und Simon Dengel. Bei Männern war auch ein Pelzmantel üblich.

Da das Leben in Kleinscheuern nicht nur aus Festen bestand, die Trachten aber sehr kostspielig waren, musste man auch schwer dafür arbeiten um sich das zu leisten. Die meisten wurden natürlich von Generation zu Generation weiter vererbt. Im Sommer ging man, ausgerüstet mit einem Vesper im Rucksack, einem Krug mit Wasser, einem Strohhut auf dem Kopf, wie Maria Kelp und Martin Benning, den ganzen langen Tag zur Feldarbeit. Die Männer gingen schon sehr früh aufs Feld zum Mähen und Ernten. Da hatte man noch keinen Rasenmäher, sondern man nahm die Sense und den Rechen auf die Schulter und kam erst am Abend wieder heim.
Dafür saß man dann am Sonntag frisch gekleidet auf der Bank vor dem Haus, im Schatten, und brauchte kein Handy um die ganzen Neuigkeiten zu erfahren. Da wurde alles ausgeplaudert was in der Woche passierte.

So meine Damen und Herren, das war ein kleiner Ausschnitt von den vielen verschiedenen Trachten aus Kleinscheuern. Natürlich gibt es noch viele Anlässe, für die eine spezielle Tracht benötigt wird.

Kathrina Lutsch - Heidenheim



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